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Porsche Turbo – Die neue Generation mit variabler Geometrie

Leistung pur im 911 Turbo

Im neuen 911 Turbo setzt Porsche erstmals Abgas-Turbolader mit variabler Turbinengeometrie ein, die jeweils im Abgasstrang einer Zylinderbank integriert sind. Erst diese Technologie ermöglicht es, den gesamten Abgasstrom in jedem Betriebspunkt des Motors optimal für die Aufladung zu nutzen. Ein Abgas-Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG) verbindet die jeweiligen Vorteile eines kleinen und eines großen Abgas-Turboladers.




Variable Turbinengeometrie

Kleine Turbolader reagieren durch enge Strömungsquerschnitte schon auf geringe Abgasmengen mit hohen Strömungsgeschwindigkeiten, die zudem auf ein Turbinenrad mit kleiner Beschleunigungsmasse treffen. Durch dieses gute Ansprechverhalten fördert das mit dem Turbinenrad über eine Achse verbundene Verdichterrad bereits bei niedrigen Drehzahlen komprimierte Luft in die Brennräume und erhöht so die Leistungsdichte des Motors. Der Nachteil: Bei wachsenden Drehzahlen mit höherem Luftdurchsatz wächst auch der Strömungswiderstand, wodurch hohe Gegendrücke entstehen und ein Teil des Abgases über ein Waste Gate oder Bypass-Ventil abgeleitet werden muss. Umgekehrt bei großen Turboladern: Sie haben bei geringen Motordrehzahlen ein schlechtes Ansprechverhalten durch die größeren Querschnitte und höheren Turbinenmassen, dafür sind die Abgas-Gegendrücke bei hohen Luftdurchsätzen geringer.

Höherer und gleichmäßiger Druck durch Regelung

Mit der variablen Turbinengeometrie werden die Querschnitte der jeweils optimalen Ladergröße über Leitschaufeln simuliert, die im Abgasstrom stehen. Bei niedrigen Drehzahlen schließen sich die Schaufeln zu kleinen Luftspalten. Das Abgas strömt durch den kleinen Querschnitt, wird beschleunigt und trifft mit hoher Energie radial auf das Turbinenrad, wie bei einem kleinen Turbolader. Diese Winkelstellung der Leitschaufeln wird solange beibehalten, bis der gewünschte Ladedruck erreicht ist. Beim neuen Turbomotor ist er im Mittel auf etwa 1 bar eingestellt, in Meereshöhe, bei Volllast und 20 Grad Außentemperatur. Diese Parameter sind entscheidend für den Druck, mit dem die Verbrennungsluft in die Zylinder gefördert wird, da sich mit ihnen auch die Verbrennungsqualität ändert.

Wächst der Abgasstrom mit steigender Drehzahl weiter an, vergrößern die Leitschaufeln den Durchlass und regulieren so den Ladedruck. Die in der Motronic integrierte elektronische Regelung und der elektrisch betriebene Verstellmechanismus sind dabei so ausgelegt, dass die Verstelldauer für die Leitschaufeln von auf nach zu und umgekehrt nur etwa 100 Millisekunden beträgt. Darüber hinaus ist die variable Turbinengeometrie des Laders so berechnet, dass auch die maximal auftretende Abgasmasse verarbeitet werden kann. Somit wird ein Bypass-Ventil überflüssig.

Die von den Ladern mit variabler Turbinengeometrie komprimierte Luft strömt zu zwei Ladeluftkühlern. Sie stimmen konstruktiv weitgehend mit den Wärmetauschern im Vorgängermodell überein, allerdings wurde die Luftzufuhr verbessert: Die Kanäle hinter den charakteristischen Turbo-Lufteinlässen in den Fondseitenteilen weisen an ihren engsten Stellen rund zehn Prozent größere Querschnitte auf. Dadurch sinken die Strömungswiderstände, und die effizientere Ladeluftkühlung ermöglicht höhere Leistungs- und Drehmomentwerte.

Beim schnellen Schließen der Drosselklappe im Schub steigt durch den weiterlaufenden Verdichter im Drucksystem vor der Drosselklappe der Ladedruck an. Zum Abblasen des überschüssigen Ladedrucks besitzt der neue 911 Turbo ein automatisch öffnendes Schubumluftventil. Es ist jetzt platzsparend in das Verdichtergehäuse des Abgas-Turboladers integriert.

Geschlossene Leitschaufeln
Geöffnete Leitschaufeln

Hightech-Werkstoffe ermöglichen Serieneinsatz

Das Prinzip der variablen Turbinengeometrie wird bei Dieselmotoren bereits seit nahezu zehn Jahren in größerem Umfang eingesetzt. Allerdings ließen sich die dort angewandten Systeme nicht ohne weiteres auf Ottomotoren übertragen, vor allem aus thermischen Gründen. So betragen die Abgas-Temperaturen am Turbineneintritt bei Dieselmotoren zwischen 700 und 800 Grad Celsius. Die Abgas-Temperatur der Porsche-Turbomotoren liegt dagegen bei bis zu 1000 Grad. Das führt zu erheblichen Mehrbelastungen der verstellbaren Leitschaufeln und zu hohen Anforderungen an die konstruktive Ausführung. Erst der Einsatz extrem hochtemperaturfester Werkstoffe und neue Simulationsverfahren führten zu serienreifen Ladern mit der erforderlichen Dauerfestigkeit und Lebenserwartung. Zusätzlich wurde neben der vorhandenen Ölkühlung ein Wasserkühlsystem inklusive Nachlaufpumpe zur Absenkung der hohen Bauteiltemperaturen entwickelt.

GO 02.2007

Bildmaterial © Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

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