Bereits am Start verteidigte Bleekemolen seine Spitzenposition und steuerte als Führender in die erste Kurve. Mit einem fehlerfreien Lauf bot er seinen Verfolgern keine Chance auf einen Sieg. Der Pilot des Teams ARAXA RACING PZ Reutlingen kontrollierte das Rennen auf dem 4,57 Kilometer langen Kurs von der Spitze des Feldes und hielt die Führung souverän bis zum Ende nach 18 Runden. Für den 28-jährige Ex-DTM-Pilot war dies bereits der vierte Sieg im Carrera Cup. Neben dem Erfolg beim Saisonfinale triumphierte er bei den Auslandsrennen in Zandvoort (Niederlande), Barcelona (Spanien) und Dijon (Frankreich). Als amtierender Meister und aktueller Spitzenreiter des Porsche-Mobil1-Supercup tritt er am kommenden Wochenende (30. Oktober bis 1. November) beim Finale der internationalen Meisterschaft in Abu Dhabi zur Titelverteidigung an.
Zweiter beim letzten Lauf des Jahres in Hockenheim wurde Sean Edwards (Großbritannien), der einen Gaststart für Hermes Attempto Racing absolvierte. Der 22-jährige Brite hatte sich als Dritter qualifiziert und fuhr direkt nach dem Start auf Rang zwei. Im ersten Drittel des Rennens attackierte er Bleekemolen immer wieder, fand jedoch kein Mittel, um die Führung zu übernehmen.
Eine tolle Leistung zeigte auch Christan Engelhart (Kösching) vom MRS Team PZ Aschaffenburg. Der 22-Jährige war als Sechster in den 18-Runden-Sprint gestartet und lag bereits vor der ersten Kurve auf Rang vier. Gleich im Anschluss überholte er Thomas Jäger und setzte sich mit seinem Porsche 911 GT3 Cup auf die dritte Position, die er problemlos bis zum Überqueren der Ziellinie hielt.
Spitzenreiter Thomas Jäger hatte den Sprung aufs Podium mit dem vierten Rang verpasst. Dennoch sorgte der Pilot der Mannschaft MS Racing PZ Hamburg Nord-West zwei Tage vor seinem 33. Geburtstag vorzeitig für sein schönstes Geschenk, indem er sich den Titel des Porsche Carrera Cup Deutschland sicherte. Im Verlauf der Saison gelang dem neuen Champion bei sechs von neun Läufen der Sprung aufs Podium. Die Grundlage für seinen Triumph legte Thomas Jäger übrigens mit einem ganz besonderen Sieg beim zweiten Lauf auf dem EuroSpeedway Lausitz: Er schrieb Motorsport-Geschichte, indem er das weltweit 1.000ste Carrera-Cup-Rennen gewann. Auf dem Weg zum Titel siegte er auf dem EuroSpeedway, dem Norisring und dem Nürburgring und platzierte sich mit seinem Porsche 911 GT3 Cup zwei Mal auf Position zwei und einmal auf dem dritten Rang.
Die Plätze fünf und sechs beim letzten Lauf des Carrera Cup gingen an Nicki Thiim (Dänemark, Hermes Attempto Racing) und Jägers Teamkollegen Florian Stoll (Rickenbach). Damit sicherten Thomas Jäger und Florian Stoll der Mannschaft MS Racing PZ Hamburg Nord-West den Gesamtsieg in der Mannschaftswertung.
Jeroen Bleekemolen (Sieger): „Herzlichen Glückwunsch an Thomas! Er hat den Titel verdient, ist immer konstant gefahren und hat die gesamte Saison über einen tollen Job gemacht. Wir kamen am Anfang nicht so richtig in die Gänge und haben dabei viele wichtige Punkte verloren. Ab der zweiten Saisonhälfte lief es dann extrem gut. Leider hat das nicht mehr ganz gereicht. Das Team hat super gearbeitet und so waren wir immerhin noch Mitfavoriten und beim Duell am Ende beteiligt. Jetzt hoffe ich, dass ich am kommenden Wochenende in Abu Dhabi meinen Titel im Supercup verteidigen kann. Wir werden sehen.“
Sean Edwards (Zweiter): „Das war ein sehr ordentliches Rennen. Mein Wagen war am Anfang richtig schnell und so habe ich Jeroen stark unter Druck setzen können. Am Ende war er jedoch zu schnell und ich konnte das Tempo nicht mehr mitgehen. Trotzdem hat der Start im Carrera Cup sehr viel Spaß gemacht. Mit Platz zwei hinter Jeroen bin ich zufrieden.“
Christian Engelhart (Dritter): „Das war der größte Tag in meiner Carrera-Cup-Zeit. Ich bin überglücklich, dass ich beim Finale noch einmal meine Leistung zeigen konnte. Hier zum ersten Mal auf dem Podium zu stehen, ist fantastisch. Mein Team hat mir heute ein perfekt vorbereitetes Fahrzeug zur Verfügung gestellt und so konnte ich das Tempo an der Spitze jederzeit mitgehen.“
Thomas Jäger (Vierter und Meister): „Ich bin Total erleichtert! Heute lag ein Riesendruck auf mir und ich war sehr angespannt. Am Start stand ich auf der feuchten Linie und so musste ich wirklich kämpfen, um mich einigermaßen vorne zu halten. Die ersten Kurven waren sehr eng und Nicki Thiim hat immer wieder Druck gemacht. Jetzt wo ich durch bin, fällt mir ein großer Stein vom Herzen. Es ist ein fantastisches Gefühl! Ein großes Lob und Dankeschön an das Team, das die ganze Saison hindurch einen Tobjob gemacht hat. Ohne deren Unterstützung wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.“
Der Fernsehsender DSF zeigt eine Zusammenfassung des Rennens in der Sendung „Motorsportmagazin“ am Sonntagabend. Eine Wiederholung des Saisonfinales zeigt das DSF am Dienstag (27. Oktober) um 17.30 Uhr und der Saisonrückblick wird am Mittwoch (28. Oktober) um 21.15 Uhr ausgestrahlt. Zusätzlich sind die Highlights vom neunten Wertungslauf auf N-TV in der Sendung „Speed“ am Dienstag (27. Oktober) und im DTM-Magazin auf DMAX am Sonntag (1. November) zu sehen.
Rennergebnis:
1. Jeroen Bleekemolen (NL), ARAXA RACING PZ Reutlingen, 31:44.088 Minuten
2. Sean Edwards (GB), Hermes Attempto Racing, + 3.909 Sekunden
3. Christian Engelhart (D), MRS Team PZ Aschaffenburg, + 5.364
4. Thomas Jäger (D), MS Racing PZ Hamburg Nord-West, + 10.725
5. Nicki Thiim (DK), Hermes Attempto Racing, + 11.681
Endstand Fahrerwertung:
1. Thomas Jäger, 152 Punkte
2. Jeroen Bleekemolen, 147 Punkte
3. Jan Seyffarth, 104 Punkte*
4. Robert Renauer, 104 Punkte
5. Nicki Thiim, 99 Punkte
* Größere Anzahl von Rennsiegen
Thomas Jäger im Portrait
Der neue Meister im Porsche Carrera Cup Deutschland heißt Thomas Jäger. Im letzten Rennen der Saison 2009 auf dem Hockenheimring sicherte sich der Pilot des Teams MS Racing PZ Hamburg Nord-West den begehrten Titel. Damit sorgte der Münchner bereits vorzeitig für das schönste Geschenk zu seinem 33. Geburtstag, den er am Dienstag (27. Oktober) feiert.
Die Grundlage legte Thomas Jäger mit einem ganz besonderen Triumph beim zweiten Lauf auf dem EuroSpeedway Lausitz: er schrieb Motorsport-Geschichte, indem er beim weltweit 1.000sten Carrera-Cup-Rennen vor 75.000 Zuschauern siegte. Den Pokal überreichte ihm Olaf Manthey, der 1990 den allerersten Lauf eines Carrera Cups gewonnen hatte. Beim Rennen auf dem Norisring folgte ein weiterer Start-Ziel-Sieg und die Führung in der Tabelle.
Zu Beginn der Saison hatte ihn – trotz eines zweiten Platzes beim Auftakt in Hockenheim – kaum jemand auf der Liste der Titelfavoriten. Bereits 2007 war Jäger in den Porsche Carrera Cup Deutschland eingestiegen: Sein erstes Jahr beendete er als Elfter des Gesamtklassements, 2008 wurde er Zehnter. Die Geschichte zeigt, dass der Porsche 911 GT3 Cup viel Erfahrung verlangt, die sich auch der ehemalige DTM-Pilot (2000 bis 2003) erarbeiten musste. Jäger: „Um hier zu bestehen, musst du sehr viel tun. Man sieht das bei den Rennen, die immer ein harter Kampf sind, sehr eng entschieden werden und fantastischen Motorsport zeigen.“
Thomas Jägers Karriere begann 1990 mit dem Sieg bei der ADAC-Kart-Schule. „Meine Mutter sagte immer: Lass den Schmarrn! Aber ich setzte mich durch.“ Zwei Jahre später folgte der Vizetitel bei der ADAC-Junioren-Kart-Meisterschaft. 1995 triumphierte Jäger bei der BMW-ADAC-Formel-Junior-Schule und erhielt eine Ausbildung bei der La Filière Rennfahrerschule in Le Mans (Frankreich). In den Jahren 1998 und 1999 feierte er in der internationalen deutschen Formel-3-Meisterschaft vier Siege und wechselte im Jahr 2000 als Benetton-Junior in die DTM.
Trotz der Bilderbuch-Karriere hat Thomas Jäger eines nie vernachlässigt: seine Bodenständigkeit. Das zeigte sich 2004, als er kein DTM-Cockpit mehr bekam und sich unverzüglich zum BWL-Studium an der Universität in München einschrieb. Jäger: „Mit Motorsport Geld zu verdienen, wird immer schwieriger. Deshalb habe ich mich ganz klar darauf fokussiert, mir ein zweites Standbein aufzubauen. Nur zur Gaudi fahre ich nicht im Kreis. Wenn ich nicht mehr schnell genug bin oder der Erfolg ausbleibt, hänge ich den Helm an den Nagel. Bis dahin gebe ich aber einhundert Prozent. Motorsport ist für mich definitiv kein Hobby!“
In Zukunft möchte sich der frischgebackene Champion nicht allein auf den Rennsport beschränken. „Dieses Jahr war meine 20. Saison“, sagt er. „Mit diversen Fahrertrainings mache ich im Automobilbereich sehr viel und auch mit großer Freude. Aber vielleicht mache ich in ein paar Jahren sogar einmal etwas, das gar nichts mit Autos zu tun hat. Allerdings brauche ich ein konkretes Ziel. Nur in den Tag hinein arbeiten, das kann ich nicht. Wenn ich etwas tue, verfolge ich es mit Konsequenz.“ Vielleicht betreibt Thomas Jäger auch aus diesem Grund seit mehreren Jahren ein Fahrradgeschäft in München. „Das ist eher ein Hobby von mir – und zwar für die wenigen Momente neben dem Leben als Rennfahrer.“
25.10.2009
Text- und Bildmaterial: Porsche AG