Jeden Tag gibt es neue Meldungen zum Thema Umweltschutz und Klimawandel. Steht uns das Ende der individuellen Mobilität bevor oder wird sich alles als blinder Aktionismus heraus stellen? Alle sind sich darin einig, dass die Erderwärmung aufgehalten werden muss. Doch welche Maßnahmen sind geeignet und vor allem auch angemessen?
EU-Kommissar Günter Verheugen sagt der „Bild am Sonntag“, dass es den Klimawandel unbestritten „an allen Fronten“ zu bekämpfen gilt, „wir aber auch nicht in hysterischen Aktionismus verfallen dürfen." Europa verursacht „nur einen relativ geringen Teil der weltweiten CO2-Belastung - Tendenz sinkend“, so Verheugen. „Und an den C02-Emissionen wiederum haben Pkw einen außerordentlich kleinen Anteil.“
Anders sein Parteikollege Sigmar Gabriel, der die Autoindustrie durch strenge Vorgaben zu schadstoffärmeren PKW zwingen möchte. Der Bundesumweltminister spricht sich auch für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen aus – jedoch nur aus reiner Unfallprävention heraus. Einig ist sich Gabriel auch mit der Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, die an die Menschen appelliert, keine Fernreisen mehr mit dem Flugzeug zu unternehmen.
Alles nur Aktionismus? Laut VW-Chef Martin Winderkorn sind Politiker schnell dabei, die Schuld bei anderen, in diesem Fall der Automobilindustrie, zu suchen. „Für uns verbietet es sich aber meist, mit gleicher Schärfe zurückzuschießen", so Winterkorn im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Denn Politiker zählen zu unseren besten Kunden. Und sie fahren in der Regel nicht die verbrauchsgünstigsten Modelle." Auch die EU-Kommission kommt beim VW-Chef nicht gut davon. "Die Europäische Kommission war drauf und dran, die Zukunft einer ganzen Industrie zu gefährden." Bei dem ursprünglich für 2012 geplanten Durchschnittsausstoß von 120 Gramm Kohlendioxid „gäbe es bald keine großen Autos mehr, keinen Audi A8, keine S-Klasse von Mercedes-Benz und keinen 7er von BMW“, prognostiziert Winterkorn. VW hat jedenfalls schon einen Kleinwagen geplant, der mit einem sehr kleinen Motor auskommt. Laut VW-Chef „sind Zweizylinder-Motoren mit Aufladung“ vorstellbar.
Geht es nach dem Willen der CSU, soll ab 2020 der Verbrennungsmotor per Gesetz verboten werden. In einem Gespräch mit dem SPIEGEL kündigt CSU-Generalsekretär Markus Söder an, dass nach den Vorschlägen der CSU „ab dem Jahr 2020 […] nur noch Autos zugelassen werden, die über einen umweltfreundlichen Antrieb verfügen“. Die Zukunft liegt seiner Meinung nach in der Wasserstoff- und Hybridtechnik, die den Verbrennungsmotor bis zu diesem Zeitpunkt völlig abgelöst haben soll. Mit dem Gesetz möchte die CSU die Automobilwirtschaft zwingen, etwas mehr Erfindungsgeist an den Tag zu legen. Denn daran soll es in den letzten Jahren gefehlt haben.
Schöne neue (Auto-)Welt? Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt.
ab 02.2007
|